wundervolle Begegnungen

  • Ihr lieben, heute möchte ich mal ein paar Erlebnisse der letzten Tage mit euch teilen.


    Man kennt es ja, die meisten Menschen rennen taub und blind durch die Welt und sehen nur ihr eigenes kleines Universum. Gut, das ist nicht ungewöhnlich, aber leider sind Menschen aus diesem Grund auch oft ungewollt unhöflich oder rücksichtslos oder sehen bestimmte Dinge wirklich einfach nicht. Jetzt aber möchte ich Euch die wundervollen Dinge mitteilen, die mir alleine in den letzten 3 Tagen passiert sind:


    • Ich war einkaufen, ein älterer Mann und ich gingen gleichzeitig Richtung Kasse und hatten etwa gleich viel. Er sah mich an, lächelte und machte eine einladende Geste "Bitte, gehen Sie ruhig vor." Ich habe mich entsprechend bedankt, da ich mich wirklich gefreut hatte. Er hätte eigentlich keinen Grund dafür gehabt und ich hätte ihn gerade selbst vorlassen wollen. Als ich meine Einkäufe auf das Band gelegt hatte, drehte ich mich um, um den Korb weg zu stellen. Da er mir im Weg stand, dachte ich eigentlich, er würde kurz zur Seite gehen. Statt dessen streckte er seine Hand aus "Geben Sie ruhig her, ich mache das schon." Eine Kleinigkeit, aber sie machte mich glücklich. Ich lachte und meinte "Mir scheint heute ist der Tag der guten Taten." Er lachte nur kurz und meinte "Muss es ja auch mal geben, oder?" Wir gingen beide lächelnd unserer Wege. *s*
    • Ich ging über einen Parkplatz und es zog ein starker Wind auf. Ein Mann von etwa Ende 30 kam mir entgegen und ein Windstoß von hinten fegte ihm sein Basecap vom Kopf. Er hastete ein paar Schritte hinterher, gleichzeitig ging ich auf sein Basecap zu, damit ich es aufhalten konnte, falls noch ein Windstoß käme. Obwohl ich noch ein paar Schritte von seinem Basecap entfernt war, als er es einholte und aufhob, hatte er meine Geste und meine Idee zur Kenntnis genommen, grinste fröhlich und bedankte sich - dabei hatte ich eigentlich noch gar nichts getan. *s*
    • Ich stand an einer Ampel und hörte es hinter mir scheppern, als ein Windstoß ein Fahrrad umwarf. Als ich mich umdrehte und auf das Fahrrad zu ging, kam ein älterer Herr aus dem Geschäft. Unsere Blicke trafen sich, und ich merkte dass wir beide auf das Rad zu gingen. Es war seines. Während er es aufrichtete, hob ich die Mütze auf, die vom Gepäckträger gefallen war, klopfte sie kurz sauber und reichte sie ihm. Als er sich zu mir drehte um sie zu nehmen, fielen seine Handschuhe aus seiner Jackentasche. Ich hob sie ebenfalls auf. Er wirkte merklich überrascht und bedankte sich mit einem strahlenden Lächeln und einem "Das wäre nicht nötig gewesen". *s*
    • Ich musste eine neue Kfz-Versicherung abschließen, um noch in dieser Woche mein Auto anmelden zu können. Alles lief wie besprochen, die Sachbearbeiterin war kompetent und freundlich, doch dann sagte sie mir, es würde diese Woche nicht mehr gelingen. (Auf Erklärungen verzichte ich an dieser Stelle, da es nicht zum Thema gehört.) Ich seufzte und meinte, dass mich das vor ein Problem stellt, weil ich das Auto diese Woche noch brauche. Sie telefonierte kurz mit einer Kollegin, und entließ mich aus dem Termin mit dem Hinweis, sie würde sich melden, sobald es geregelt sei. Ich war gerade eine halbe Stunde zu Hause, als sie schon anrief und meinte, ihre Kollegin habe eine Lösung gefunden, mit der wir den Vorang noch heute abschließen könnten. Ich sprach ihr und ihrer Kollegin schon am Telefon meinen aufrichtigen Dank für die Flexbilität und Hilfsbereitschaft aus und machte mich auf den Weg zurück zu ihr für die finale Unterschrift. Alles konnte schnell über die Bühne gebracht werden. Am Ende meinte ich noch mal "Wenn Sie noch mal mit ihrer Kollegin sprechen, sagen Sie ihr bitte noch mal vielen Dank. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass sie so schnell so eine tolle Lösung gefunden hat." Sie schmunzelte. "Ich habe es ihr gerade eben am Telefon schon ausgerichtet. Sie hat sich sehr gefreut." *s*
    • Ich war bei der Kfz Meldestelle um das Fahrzeug anzumelden. Alles lief zügig und freundlich und ohne Komplikationen. Anschließend stand ich im strömenden Regen an meinem Auto, befestigte die Kennzeichen, bekam allerdings die Kennzeichenhalterung vorne nicht wieder fest. Über mehrere Minuten stand ich im strömenden Regen und mir fehlte einfach die Kraft in den Finger, um diese fiesen kleinen Pinökel einrasten zu lassen. Dann kam ein Mann in den 40ern über den Parkplatz gelaufen. Ich ging auf ihn zu, sprach ihn vorsichtig an, erklärte ihm mein Problem und fragte ob er es kurz versuchen könnte. "Aber natürlich! Welches Auto denn?" Und schon lief er los - dabei hatte der Arme nicht einmal eine Jacke an und wurde natürlich entsprechend nass. Vier kräftige Handgriffe später nickte er zufrieden "Jetzt ist es wieder fest und sicher." Ich bedankte mich überglücklich, doch er winkte nur ab. "Gar kein Problem. Eine Kleinigkeit! Gute Fahrt!" *s*

    Das schönste Erlebnis hatte ich allerdings gestern. Zugegeben, die Person war nicht fremd, es war meine Nachbarin. Doch ich habe an sich nichts mit ihr zu tun, denn sie ist zwar sehr freundlich (und hat eine auffallend höfliche Teenager-Tochter!!) aber auch sehr zurückhaltend, beinahe schüchtern. Ich glaube wir haben noch nie mehr als drei Sätze miteinander geredet in den rund 3 Jahren, die sie jetzt hier wohnt. Doch gestern klingelte es auf einmal und sie stand vor meiner Tür. Sie wirkte fast etwas nervös. "Ich hoffe ich störe dich nicht." (Keine Ahnung, wann wir angefangen haben uns zu dutzen, es war auf einmal so und es ist völlig ok für mich.) "Ich wollte nur mal fragen... naja .... also ob bei dir alles in Ordnung ist. Ich habe mich gewundert, weil ich dich schon so lange nicht mehr gesehen habe. Sonst begegnet man sich ja doch mal im Hausflur oder auf dem Parkplatz. Und jetzt hatte ich irgendwie das Gefühl, wir wären uns schon ein paar Wochen nicht mehr begegnet." Ich war total überrascht, sagte ihr aber auch gleich, dass ich mich sehr über diese Rückfrage freue und dass ich es schön finde, wenn Nachbarn so etwas auch bemerken. Dann erklärte ich ihr, dass bei mir alles in Ordnung sei, dass ich einfach nur gerade eine etwas schwierige Phase hätte, aber es mir gut ginge. "Oh das beruhigt mich jetzt. Ich hatte mir schon irgendwie ein bisschen Sorgen gemacht. Aber wenn ich mal irgendwie was für dich tun kann, was vom Einkaufen mitbringen oder sonst irgendwie helfen, dann sag gerne jederzeit Bescheid, ja?" Ich habe mich unglaublich gefreut. Denn natürlich bin ich weder alt, noch krank noch sonst wie im klassischen Sinne "hilfebedürftig", aber ich wohne alleine. Und wenn ich jetzt wirklich mal mit einer Grippe oder so flach liegen sollte, wäre ich glaube ich immens dankbar, wenn ich einfach die Option hätte, meine Nachbarin zu bitten, mir ein paar Flaschen Wasser bei ihrem nächsten Einkauf mitzubringen. Bisher habe ich diese Hilfe nie gebraucht, aber es hat mich sehr berührt, dass sie trotzdem so lieb war, es mir einfach von sich aus anzubieten. Denn oft sind es ja Kleinigkeiten, die viel ausmachen können. Und vor allem hat mich berührt, dass sie sich sorgte, nur weil wir uns eine Zeit lang nicht gesehen hatten. (Und das ohne den typischen überquellenden Postkasten.) Ich habe hinterher mal überlegt, wann wir uns das letzte mal einfach so vor dem Haus begegnet sind. Es dürften 4-6 Wochen gewesen sein. Also noch nicht mal ein dramatisch langer Zeitraum. <3


    Ich hoffe ich konnte nachvollziehbar vermitteln, was mich an all diesen Begegnungen berührt hat und ich muss sagen, so viel positive Interaktionen hatte ich lange nicht mehr. Und schon gar nicht in so kurzer Zeit. Und ich merkte, dass es mir selbst Energie und Kraft gegeben hat, ein paar echt miese Tage zu überstehen. Denn einen selbst kostet ein Lächeln oder ein freundliches Wort nichts, aber für jemand anderen kann es den Unterschied machen, ob er am Ende des Tages entspannt einschläft oder grübelnd/weinend wach liegt. *s*

  • Hallo Sandra, gute Erfahrungen tun so wohl.


    Ich durfte in den letzten beiden Wochen in Zusammenhang mit meinem Umzug ähnliche Erfahrungen machen. Dinge regelten sich wie von selbst und ein Verkäufer meinte sogar, dass er so etwas noch nie erlebt habe. Normalerweise müsse man mehrere Tage warten und hier war es in Sekunden erledigt.


    Ich geniesse es, wenn so viel Leichtigkeit in den Abläufen ist.

  • Danke für Deinen Beitrag, er berührt mich. <3

    Es berührt mich, dass Du diese Dinge so erlebst und die Liebe spürst, welche in solchen Begegnungen fliesst. ..und wie Du das in Worte packst - einfach schön.


    Ich erlebe das oft, es sind so magische Momente bei Begegnungen. Ein freundliches Lächeln, ein Blick in die Augen eines Menschen, eine kleine Aufmerksamkeit oder Geste, welche dankbar angenommen wird. Da wird im wahrsten Sinn des Wortes, das Herz warm und jede Zelle des Körpers reagiert pulsierend. Es ist wie ein Energieschub, wie ein Akku am Ladegerät. Es fühlt sich tatsächlich so an, danach habe ich mehr Kraft und Lebensfreude. Diese Wunder zu beschreiben, in Worten, das ist eine echte Gabe Sandra. Danke für den Blick in Deine Seele, lässt die Zellen auch pulsieren.


    Alles Liebe,

    Eisu

  • Eisu, das hast du ganz wundervoll gesagt! Ich habe schon immer gerne mit Worten gearbeitet, mit Formulierungen jongliert, mit Widersprüchen gespielt und mit Metaphern erläutert. Die Sprache ist bei mir schon seit der Grundschule so ein Thema irgendwie. Ich habe auch lange Zeit Gedichte und teils Kurzgeschichten geschrieben. Eigentlich hatte ich auch mit einem Buch angefangen, aber da haben mich emotionale Probleme leider völlig raus gerissen und das Buch fühlt sich für mich "gescheitert" an. Als würde ich dort nicht wieder hinein finden. Vielleicht fange ich ein ähnliches Projekt noch einmal neu an. Ich hatte noch nciht so viel geschrieben, da geht das. Ein Buch zu veröffentlichen ist ohnehin schon ewig ein Traum von mir.


    Ich hoffe immer, mit dem was ich schreibe, auch das was ich fühle transportieren zu können. Und wenn mir das gelingt, bin ich darüber sehr glücklich. Das ist mir ja auch in meinen Rollenspieltexten immer sehr wichtig. Wenn die Menschen nur eine schriftliche Beschreibung dessen haben, was meine FIgur sagt und tut, dann soll es die bestmögliche Beschreibung sein, die ich liefern kann. Denn nichts ist schlimmer als einen Rollenspielbeitrag zu lesen, der in einem keine Bilder oder Gefühle weckt. Daher sind wir ja auf unser eigenes Rollenspiel umgestiegen, um uns von den ganzen wirklich schlimmen und unmotivierten Laien zu lösen und uns auf die Menschen zu konzentrieren, die wirklich in die Geschichte eintauchen möchten. Und sei es nur für einen Moment. So wie man ein Buch zur Hand nimmt, ein Kapitel liest, und es wieder beiseite legt. Hmm, wie kam ich jetzt auf das alles? Ach ja ... Sprache... Was mich daran erinnert, dass ich mir gleich wieder meine App zur Hand nehmen werde zum weiter lernen :D