(Un)Vollkommenheit

Immer wieder lese ich im Forum den Satz "Ich bin vollkommen" und spüre in der schreibenden Person dabei ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit. Ich dagegen kann nur den Kopf schütteln.


Was bedeutet "vollkommen" überhaupt? Laut dem Duden: seinem Wesen entsprechend voll ausgebildet und ohne Fehler, unübertrefflich


Dann schauen wir uns mal die Synonyme an, die Duden uns anbietet:

  • beispielhaft, Bilderbuch-, bravourös, einwandfrei, ideal, makellos, meisterhaft, mustergültig, musterhaft, optimal, perfekt, unübertrefflich, unübertroffen, vollendet, vorbildhaft, vorbildlich, wie im Bilderbuch; (gehoben) ohne Fehl [und Tadel]; (bildungssprachlich) in optima forma, par excellence; (emotional) tadellos, Traum-; (veraltend) meisterlich

Perfekt... tadellos... einwandfrei... makellos...


Also jetzt kann ich es ganz entspannt sagen: Ich bin nicht vollkommen! Ich bin sogar ein ganzes Stück davon weg.


Ich bin hin und wieder...

  • ungeduldig
  • impulsiv
  • unvernünftig
  • dominant
  • besserwisserisch
  • launisch
  • voreingenommen
  • reizbar
  • und so weiter...

An mir gibt es jede Menge Fehler und einiges, was man tadeln könnte. Ich versuche mir meiner Makel bestmöglich bewusst zu sein und zu werden und daran zu arbeiten. Nicht um irgendeinem Ideal zu entsprechen oder "Vollkommenheit" zu erreichen, sondern um einfach die bestmögliche Version von mir selbst zu sein - die zweifeslohne immer noch Fehler und Makel haben wird.


Aber wisst ihr was? Das ist in Ordnung. Das war der magische Satz, den ich lernen musste: ES IST IN ORDNUNG!


Ich bin ungeduldig? Das ist in Ordnung, es ist ein Zeichen von Vorfreude.

Ich bin impulsiv? Das ist in Ordnung, denn manche Menschen haben mehr Temperament als andere.

Ich bin unvernünftig? Das ist in Ordnung ,denn ich gebe mir Mühe, dazu zu lernen und werde besser.

Ich bin dominant? Das ist in Ordnung, denn dort wo es hilft kann ich es nutzen, und dort wo es schadet, lerne ich vorsichtiger zu sein.

Ich bin besserwisserisch? Das ist in Ordnung, denn ich lerne mein Wissen auf förderliche Art weiter zu geben und manchmal für mich zu behalten.

Ich bin launisch? Das ist in Ordnung, denn ich versuche ehrlich damit umzugehen, dass es auch mir manchmal nicht gut geht.

Ich bin voreingenommen? Das ist in Ordnung,denn ich lerne Erfahrung, Intuition und unnötige Vorurteile voneinander zu unterscheiden.

Ich bin reizbar? Das ist in Ordnung, denn ich lerne mich immer besser zu beherrschen.


Ich bin UNvollkommen? Das ist in Ordnung ,denn Perfektion ist langweilig! Erst unsere kleinen und großen Fehler machen uns zu dem was wir sind. Und gäbe es nichts mehr zu lernen, wäre das Leben langweilig!

Comments 18

  • Wenn ich im Leben dem Vertrauen in die Vollkommenheit meines SEINS folge, spüre ich Herzensliebe.

    Folge ich dem Streben nach Perfektion, spüre ich Angst, zu versagen.

  • Mich meiner Vollkommenheit bewusst zu sein, bedeutet den Fokus auf das zu richten, was ich habe. Dadurch sehe ich die Dinge, die mir zur Verfügung stehen, welche ich verschenken, neu anordnen oder Kunstwerke daraus kreieren kann. Was ich habe, das bin ich.


    Als ich nach Vollkommenheit strebte, war ich stets auf der Suche nach irgendwas, das mich besser machen oder dazu führen sollte, dass ich mich besser fühle.


    In meinem "Vollkommenheits-Bewusstsein" kommt es immer wieder vor, dass etwas von Aussen oder eine innere Idee, in mir Sehnsüchte auslöst. Sie sind wie ein Kompass der mich leitet, um etwas Neues zu Eigen zu machen. Ja, ich bin glücklich in meiner Vollkommenheit und möchte am liebsten jedem beweisen, dass auch er vollkommen ist, damit er sieht was er besitzt und welche einzigartigen Chancen er dadurch hat. *s*

    • Ich sehe die Vollkommenheit dennoch weder in mir noch in einem einzigen anderen Menschen. Ich kapier die Idee an sich schon irgendwie nicht. Für mich ist Vollkommenheit etwas, was höchstens in der Mathematik oder der Geometrie existiert.

    • Ich versteh das gut, wo wir doch ein Leben lang gesagt bekommen: Tue dies, tue das, kauf das, geh dort hin.... Vollkommenheit ist keine Idee, sondern ein Bewusstseinszustand. :-)


      Beispiel aus dem Alltag:

      Die Community-Software ist vollkommen, perfekt durchdacht und funktioniert einwandfrei. Meine Zufriedenheit macht möglich, dass ich die Bereiche nutze, statt überall hin und her zu korrigieren, schlimmstenfalls, weil Leute meinen, es bräuchte noch dies oder das..Würde ich den Stimmen folgen, würde ich Bestehendes übersehen, weil ich ja wieder an irgendwelchen Wünschen rumdoktere...Ich weiss wovon ich spreche, denn sehr lange war genau das ein Problem. Hier eine Änderung, da bitte eine neue Funktion -> Hat letztlich dazu geführt, dass keiner, auch ich nicht, das Bestehende verstanden und genutzt hat - das Neue hat übrigens sehr bald auch nicht genügt und so war ein riesen Chaos entstanden :-/ Tausend Dinge und keins wurde verstanden oder genutzt....Nöööö, die Software und die Entwickler sind perfekt, vollkommen und ich teile Artikel und Beiträge, statt dass ich überall nach Veränderungen suche. <3

    • Okay jetzt verstehe ich es besser. Ich glaube so langsam nach dem was du jetzt erklärt hast, oder was Heidy schrieb, dass ich mich einfach an dem Begriff "Vollkommenheit" störe. Denn wie ich ja in meinem Blog anführe, ist Vollkommenheit etwas absolutes, makelloses, fehlerfreies. Ich glaube was ihr vermutlich meint ist das Bewusstsein von "Ich bin so wie ich sein soll, mit all meinen Fehlern und all meinem Potential" kann das sein? Denn das Bewusstsein habe ich bereits erreicht, ich benenne es nur nich als Vollkommenheit weil es per Definition nicht zutrifft. Es ist mehr ein "Du enstprichst im Moment genau dem Plan" (dem vom Universum, Gott, Muster,wie auch immer man es nennen will). Treffe ich damit ungefähr was ihr meint?

    • Egobewusstsein orientiert sich am Aussen

      Bewusstsein ist unser wahrer Zustand , ich bin gut genauso wie ich bin . Vollkommen in meinem Sein .

    • Satoshi ich sehe in Deiner Definition kein Widerspruch, denn Du schreibst ja, aus menschlicher Sicht gibt es keine Vollkommenheit. Das sehe ich genauso :-o Erst wenn ich nicht mehr bin, bin ich vollkommen - - - aufgelöst im NICHTS, formlos, Luft, nichts eben. Ich bin jetzt schon NICHTS, das LEBEN ist alles; bedeutet, was kommt ist vollkommen und ich (versuche) zu integrieren.


      Beispiel aus dem Alltag:

      Gestern wollte ich Bankgeschäfte erledigen. Heutzutage tut man sowas online. Ich hatte Kopfschmerzen, es viel mir schwer, mich zu konzentrieren. Dennoch wollte ich mich in die Bank einwählen....Ging nicht, der Provider hat den Geist aufgegeben, ich hatte keine Internetverbindung. Ich sah die Vollkommenheit in der Situation, statt dass ich rumeierte, Schuldige suchte oder die Provider-Hotline terrorisierte, ging ich schlafen. Als ich erwachte, waren Kopfschmerzen fort und das Internet funktionierte wieder. *s*

  • 💕 Oh , ich danke Euch !

    Ja, heute wird mir bewusst , dass

    ich noch etwas in Liebe annehmen

    darf , das mein Innerstes abge-

    lehnt hat .. Ein weiteres Puzzleteil ,

    das in mein GANZES gehört.. 😏


    🎵Wir in allem und alles in uns 🎵

  • Liebe Sandra


    Aus meiner Sicht bist Du vollkommen. Du hast Das in dem Teil, in dem Du schreibst, warum diese Eigenschaften in Ordnung sind selbst beschrieben. All Deine kleinen Macken machen Dich vollkommen, weil Du genau dadurch optimal für dieses Leben ausgerüstet bist.


    Diese Welt ist auch für mich eine Art Erfahrungsplanet. Es wäre stinklangweilig, wenn alles hier nur noch mit einem Lächeln auf den Lippen und erhabenem Verhalten rumlaufen würde und keine Emotionen mehr zeigen würde.


    Genau aus diesem Grund bist Du, genau wie jedes andere Lebewesen perfekt für die Erfahrungen ausgestattet, die Deine Seele machen möchte. Wir sehen so manches als falsch oder unperfekt an, weil wir nicht wahrhaben wollen, dass genau das unsere Stärken in diesem Leben sind.


    Ich liebe unperfekte Menschen, denn sie bieten Reibungsflächen, mit denen ich Resonanzen testen kann und die, auch wenn sie manchmal nerven, mein Leben bereichern.


    Geniesse Dein perfektes Unperfektsein und sei Dir Deiner Ecken und Kanten bewusst. Wir alle sind genau so, wie wir sein sollen und das ist perfekt.

  • Es kommt darauf an, was ich als ICH ansehe - ist es das Körper-/Geistbewusstsein (verdichtetes Bewusstsein), das vergänglich ist und vergessen hat, wo sein Ursprung liegt - oder ist es mein SEIN, das ewig ist und als Vollkommenheit/Ganzheit erschaffen wurde.

    • Ich finde es immer schwierig den Mensch als etwas ewiges und vollkommenes anzusehen und als perfektes kleines Puzzleteil allen Seins.... Für mich ist ein Mensch (egal wie alt seine Seele sein mag) dazu geschaffen unvollkommen zu sein. Denn nur das bietet Potential zur Entfaltung, zum lernen und zum entwickeln. Vielleicht bin ich auf irgendeine abstrakte Art vollkommen, aber das ist mir ehrlich gesagt gleichgültig, da ich im Moment Mensch bin. Und solange ich Mensch bin halte ich Vollkommenheit für eine Illusion. Für einen Begriff den viele nur nutzen weil sie es anderenfalls nicht schaffen, sich selbst zu akzeptieren. Vielleicht bin ich auch einfach nicht in der Lage die ganze Abstraktheit von "Existenz" und "Sein" zu verstehen oder die Wurzel desen, was wir alle sind, aber den Anspruch habe ich auch gar nicht.

    • Solange ich meine Unvollkommenheit annehme und nicht als Mangel betrachte, sondern, wie Du es oben schreibst, als Potential zur Entfaltung und Entwicklung, lebe ich im Hier und Jetzt in der Fülle und im Einklang mit dem was IST.

      Nur wenn ich unter meiner Unvollkommenheit leide und die Fülle in eine illusorische Zukunft projiziere, wird sie zum Problem und damit zur Blockade.


      Es kommt immer darauf an, was ich aus dem, was IST mache - und ob ich es mit den Augen der Liebe und Akzeptanz betrachten kann.

    • John Henri Newmans Zitat passt dazu ,

      Leben heisst sich wandeln

      Und vollkommen sein heisst , sich oft gewandelt zu haben .

      Wenn ich sage ich sei vollkommen , meine ich , dass ich gemäss meines Gewissens Ordnung geschafft habe in meinem Leben .

      Puzzleteile zusammengefügt und Seelenanteile integriert .

      Ich erinnere mich nicht mehr ständig an meine Unzulänglichkeiten .

      Ich fokkussiere mich lieber auf das was mir gelungen ist und das ist vollkommen .

    • Mich würde interessieren, wie du merkst, dass du (liebes Community-Mitglied) vollkommen bist?

      Welche Gefühle hast du, wenn du dich als vollkommen erlebst?
      Lässt sich diese Frage beantworten?

      Kann es sein, dass Vollkommen-Sein, kein Zustand sondern ein Prozess ist, der uns

      als Menschen motiviert weiter zu streben?


      Gerne lasse ich Worte auf mich wirken. Worte und Sprache sind oft Wegweiser. Aber Wegweiser sind nicht die Wirklichkeit, sondern weisen auf sie hin ...


      "Voll" heisst nicht leer.


      "Kommen" heisst, es kommt mir (et)was entgegen, was auch bedeuten kann, ich bewege mich auf das Kommende zu. Irgendeinmal treffe ich auf das was da kommt.


      "Sein" ist nicht so einfach zu beschreiben, weil sich Sein höchstens umschreiben lässt.


      Das Sein ist vielleicht, der Raum in dem sich das was nach diesem Voll-Kommen-Sein strebt, sich abspielt und erfährt ...


      Vielleicht ist das Sein "der Rahmen", in dem sich unser/mein/dein Leben, das nach Vollkommenheit strebt, als ICH BIN erlebt und erfährt.

      Vielleicht irre ich mich auch vollkommen. Vielleicht ist das alles viel zu theoretisch.

    • Meine "unvollkommene" Wahrnehmung:

      ICH BIN vollkommenes Bewusstsein und als unvollkommene, getrennte Form innerhalb dieses allumfassenden Bewusstseins hier auf der Erde inkarniert. Da mein Bewusstsein begrenzt ist, kann ich nur einen Teil des grossen Ganzen erkennen, und deshalb ist es mir nicht möglich, mich als vollkommen wahrzunehmen. Trotzdem existiert tief in mir ein verborgenes Wissen darüber, dass ich mehr bin, als ich je erfassen kann. Dieses Wissen führt dazu, dass ich mehr oder weniger im Vertrauen lebe, nicht alles wissen und erkennen zu müssen - denn das, was ich erkennen soll - steht mir zur stets zur Verfügung.

      Im Verlauf meines Lebens kann ich die Begrenztheit meiner Form stetig erweitern, indem ich meinem Herzen folge, mich den Lebenssituationen, die sich mir präsentieren, stelle, zu meinem Wesen stehe und bereit bin, mit dem Leben zu fliessen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, mich dem Gefühlchaos zu stellen, das sich im Verlauf des Lebens in meinem Unterbewusstsein angesammelt hat. Diese Gefühle und Emotionen lassen sich nicht verdrängen - sie gehören zu meiner weiblichen Seite - die beachtet und von mir geliebt werden will - ebenso wie meine männliche Seite der Kraft, des Verstandes und der geistigen Fähigkeiten. Männliche und weibliche Seite wollen im Einklang sein und es liegt bei mir selbst, diesen Anforderungen im Leben gerecht zu werden.

      Indem ich die zwei Seiten meiner irdischen Form miteinander versöhne und sie beide gleichermassen lebe, gelingt es mir immer mehr, die Grenzen meiner Form zu durchbrechen und dessen gewahr zu werden, was vollkommenes Bewusstsein ist - was ich WIRKLICH BIN. Solange ich jedoch hier auf Erden an meine Form gebunden bin, werde ich immer wieder in die Form zurückkehren müssen, jedoch mit der wachsenden Erfahrung, dass ich NICHT diese Form BIN, sondern als Teil des grossen Ganzen auf der Erde lebe, um das zu erfahren, was ich erfahren soll - egal, was es ist - es IST UND SOLL SO SEIN!